

Von Barock bis Pop
Fabian Boreck, Cello
Johannes Cernota, Klavier

Wärme – Leichtigkeit - Nähe
Am 10.05. 2026 stellten Cellist Fabian Boreck und Pianist Johannes Cernota ihr Programm unter dem Titel „Von Barock bis Pop“ vor.
Von Rainer Ehmanns
Wer am Vorabend das beeindruckende Patenschaftskonzert im Staatstheater besucht hat, wird über das Konzert in St. Stephanus umso erstaunter sein, vermittelt es den Hörenden einen wesentlich intimeren Einblick in die Welt der Musik, dargeboten von einem Duo, das dafür wie geschaffen scheint. In zwanglos lockerer Atmosphäre stellen sich Fabian Boreck, stellvertretender Solocellist des Oldenburger Staatsorchesters, und Pianist Johannes Cernota vor und gewinnen schon damit die Sympathie des Auditoriums.
Das lyrisch-melodische „Salut d´amour“ von Edward Elgar macht den Anfang, gefolgt von Schumanns Bearbeitung der „Bourrée“ J.S. Bachs, in der herzhafter Anschlag des Flügels sich mit sensibel-tänzerischem Strich des Cellos paart. Dessen wunderbarer Klang fasziniert mit warmen, vollen Tiefen und luzid-samtweichen Höhen, die in Ravels „Habanera“ Leidenschaft spiegeln.
Vornehm zurückhaltend dagegen Gabriel Faurés impressionistisches „Après un rêve“, dessen Thema einem italienischen Madrigal entstammt, wie Fabian Boreck verrät.
Leonard Bernsteins „Somewhere“ aus seiner „West-Side-Story“ tröstet mit warmem Thema in tiefer Lage, wird wunderbar weich in den höheren Lagen, adäquat gestaltet von Johannes Cernota am Flügel. „Rosamunde“ von Franz Schubert mit lyrischem Thema und bewegtem Mittelteil folgt das irische Traditional „Greensleeves“, wiederum mit Thema in tiefer Lage begonnen, eindringlich wirkend, farbig ausgestaltet vom Piano wie mit Flageoletts des Cellos. Händels „Menuett“, von Wilhelm Kempff bearbeitet und von prägnanter Gestaltung kontrastiert mit Mendelssohn-Bartholdys „Lied ohne Worte“ - romantische Emotion pur mit extremer Dynamik und leisestem Flageolett am Schluss.
Johannes Cernotas Solo „Five-o-Clock“ lässt etwas nostalgische Melancholie ahnen, Fabian Borecks „Gargantuan“ übersetzt seine Improvisation während der Corona-Zeit in vielfältige Celloklänge: resolutes Thema, sonore Tiefen, Doppelgriffe Pizzicati und virtuose Läufe – ein Querschnitt durch die Kunst des Cellospiels!
Dem tragischen Hintergrund zum Trotz – Eric Claptons vierjähriger Sohn kam durch einen Fenstersturz ums Leben – spielt das Duo Claptons Song „Tears in Heaven“ vielleicht bewusst etwas lebhafter und farbiger. Stings „Fields of Gold“, golden glänzende Gerstenfelder, in die sich Liebende gern zurückziehen, klingt voller Intensität, die zum Träumen einlädt; ebenso wie Claude Debussys „Beau soir“, in dem die Abendsonne über einem Fluss leuchtet, die Magie der Musik beschwört.
All das dargeboten von einem Duo, das die Hörenden in faszinierender Einheit an einem wunderbaren Dialog teilhaben und eine seltene Nähe erleben lässt.
„Somewhere“ als Zugabe ist dafür der passende Abschied.


